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Vorbereitung

Gemüse vorziehen


Mit den ersten Sonnenstrahlen des Jahres steigt bei Natalie die Vorfreude auf die Gemüsesaison. "Wenn aus einem winzigen Saatkorn langsam eine richtige Pflanze heranwächst, stehe ich noch immer mit leuchtenden Augen davor und empfinde das als kleines Wunder" sagt unsere Kollegin auch noch nach 10 Jahren Anbauerfahrung und erklärt Schritt für Schritt, wie einfach Vorziehen funktioniert.

Vorziehen – Glückserlebnis mit vielen Vorteilen

Während die Aussaat im späten Winter im Freiland zumeist erfrieren würde, hat man mit dem Vorziehen bereits ab Februar die Möglichkeit, sein Gemüse auf der Fensterbank „das Licht der Welt“ erblicken zu lassen. So verlängert sich die Saison für Kulturen, für welche unsere klimatischen Bedingungen nicht mild genug sind. Außerdem ist die etwas kritische Phase des Austreibens durch die konstante Temperatur besser reguliert – eine vorgezogene Pflanze hat es draußen später leichter. Ebenfalls ein starkes Argument: Man ist ganz nah dran und kann sich Tag für Tag über die Fortschritte seiner zarten Schützlinge freuen.

Gute Bedingungen schaffen

Jeder kann Gemüse vorziehen, wenn die Grundlage stimmt. Dazu zählen passendes Pflanzsubstrat, einwandfreies Saatgut, der richtige Zeitpunkt und ein geeigneter Standort. Pflanzen geben uns deutliche Signale, ob die Bedingungen für sie in Ordnung sind, oder ob es ihnen an etwas mangelt. Mit der richtigen Basis und einem wachen Auge, dürfen sich nach dem Vorziehen auch Gemüseanfänger auf eine satte Ernte freuen.

Nährstoffarmes Substrat spornt Wurzelwachstum an

Die Grundlage jeder Pflanze ist das Substrat, in dem sie heranwächst. So ist es wichtig, möglichst nährstoffarme Erde, zum Beispiel speziell ausgewiesene Anzuchterde oder Kokosquelltabletten, zu verwenden.

Die zarten Wurzeln der Pflänzchen suchen aktiv nach Nährstoffen und wachsen zu diesen hin. Nährstoffknappheit beantworten sie mit einem verstärkten Wurzelwachstum, das wir uns für Gemüsepflanzen wünschen.

Richtiges Timing ist die halbe Miete

Nicht jedes Gemüse keimt zum gleichen Zeitpunkt. Hier gilt es die Angaben auf den Saatgutverpackungen hinsichtlich des Zeitpunktes und der Aussaattiefe sorgfältig zu beachten, um Erfolge zu erzielen. Frühe Sorten, wie etwa die Paprika, Chili, Aubergine oder Andenbeere starten bereits im Februar. Kürbis, Tomate oder Zucchini, möchten erst Ende März/Anfang April vorgezogen werden. Sorten, die unterirdisch wachsen, sät man direkt im Garten oder Hochbeet aus. Hierzu zählt vor allem Wurzelgemüse, wie Möhren, Rote Bete, Rettich. Auch eine gute Qualität sowie das Alter des Saatgutes sind zu berücksichtigen, denn die Keimfähigkeit nimmt mit der Zeit ab.

 Du suchst besonderes Saatgut?

Bei uns findest Du eine große Auswahl an Bio-Saatgut in Demeterqualität wie Tomaten: "Black Cherry", "Gelbe Johannisbeere" oder "Rote Ribisel" sowie Chili "Thai" und "Jalapeno" und Gurke "Vorgebirgstrauben" und "Marketmore" zum Vorziehen.

Markierung von Aussaat und Jungpflanzen
Vergesse nicht, Deine Aussaaten mit Namen und Datum zu beschriften. Bei mehreren Aussaaten ist es ansonsten schwierig, den Überblick zu behalten, was in welchem Topf oder in welcher Schale keimt.

Recycling Tipp: Um Dein Gemüse nach der Aussaat zu beschriften, kannst Du einen Joghurtbecher zerschneiden. Oder nimm draußen im Beet Äste oder zersägte Bretter, die Du beschriftest. So verzichtest Du auf Plastik. Eine etwas bequemere und hochwertigere Möglichkeit sind hübsche Schieferstecker.

Der ideale Standort liegt in Süd-Ost-Lage

Ein weiterer, sehr wichtiger Faktor ist der Standort, an dem das Gemüse keimen soll. Vor allem hell muss dieser sein, denn Licht ist für den gesunden Stoffwechsel der Pflanzen wesentlich. So bieten sich besonders Fensterbänke mit Süd-Ostlage-Lage an, die im besten Fall nicht unmittelbar über einer Heizung stehen. Zu viel Wärme trocknet schnell das Substrat aus und es droht ein enttäuschendes Ende.

Schlechte Lichtverhältnisse beantwortet ein Keimling mit dem sogenannten „Geilen“. Hierbei versucht die Pflanze mit allen Mitteln zum Licht hin zu wachsen, was sie lang und dünn werden lässt. Eine schlechte Grundlage, um später einen gesunden Pflanzenkörper auszubilden, schwere Früchte tragen zu können und Krankheiten zu trotzen. Ein langsames und kontinuierliches Wachstum mit wenigen Schwankungen ist hingegen optimal. Wer keine Fensterbank in geeigneter Richtung vorweisen kann, kann sich optional mit einer speziellen Beleuchtung helfen.

So funktioniert das Vorziehen Schritt für Schritt

  • Qualitativ hochwertiges, frisches Saatgut auswählen
  • Nährstoffarme Erde oder Kokosquelltabletten in ein Gefäß geben, das sich zum Vorziehen eignet (Pflanztopf, Vorziehschale, aufgebrauchte WC-Rolle etc.)
  • Einen Gießrand von ca. 1 cm lassen
  • Die Pflanzgefäße am hellsten Standort der Wohnung platzieren
  • Substrat etwas andrücken und Saatgut in die Erde bringen

Faustregel: Saatkörner in etwa so tief in die Erde geben, wie sie groß sind

  • Eine dünne Schicht Substrat über die Samen geben und die Erde nochmals andrücken (bei den Kokos-Quelltabletten ist Angießen nicht notwendig, da das Substrat bereits feucht ist)
  • Mit Pflanzsteckern o. ä. beschriften, damit man weiß, was wo wächst
  • Saatgut feucht halten, aber Staunässe verhindern
  • Heizungsluft möglichst vermeiden, da diese die Anzucht schnell austrocknen kann

Es gibt unterschiedliche Varianten, wie man am besten Gemüse aussät. Wir stellen Dir hier die gängigsten vor:

So funktionieren Kokosquelltabletten
  • Lasse sie etwa 5 Minuten quellen, das Substrat wird durch ein feinmaschiges Netz in Form gehalten
  • Überschüssiges Wasser solltest Du vorsichtig abgießen
  • Lockere die Ballen nach dem Quellen ein wenig an der Oberseite
  • Bringe die Samen in etwa so tief in die Erde, wie sie groß sind
  • Bringe dann eine dünne Schicht Substrat über die Samen und drücke die Erde nochmals an
  • Bei den Kokos-Quelltabletten ist Angießen nicht notwendig, da das Substrat bereits feucht ist

Alternativ kannst Du Deine Pflanzen in Töpfchen vorziehen. Nutze hierfür ganz klassisch Blumentöpfe, es gibt jedoch zahlreiche Alternativen, wie etwa alte Eierkartons.
Fülle die Töpfe bis etwa 1cm unter den Rand mit Erde, presse diese jedoch nur leicht an. Drücke nun ein kleines Loch in die Erde und lege das Saatgut in dem Töpfchen ab. Nach dem Verschließen der Oberfläche muss auch hier vorsichtig angegossen werden, damit das Saatgut einen guten Bodenschluss erhält, also vollständig mit feuchter Erde umgeben ist und den Quellvorgang starten kann.


Statt in einzelne Töpfe kannst Du auch in Schalen aussäen.
Hierzu fülle eine Schale (die unten Löcher haben muss, damit Feuchtigkeit abfließen kann) mit Anzuchterde, verteile anschließend die Saat und bedecke diese vorsichtig und gleichmäßig mit Erde in der empfohlenen Dicke. Auch hier muss nach dem Säen angegossen werden. Verwende am besten eine kleine Kanne mit Gießtülle, oder eine Sprühflasche, damit Du die Saat nicht versehentlich wegspülst.

Nach einigen Tagen wirst Du das erste zarte Grün entdecken:
die Keimblätter.
Bilden sich nach den Keimblättern die Ansätze zu den ersten Laubblättern, kannst Du einzelnen Pflänzchen mehr Platz geben. Pikiere (vereinzele) die kräftigsten Exemplare in größere Töpfe, indem Du sie einzeln an einem Keimblatt nimmst und mit dem Fingernagel die Hauptwurzel etwas kürzst, damit diese sich später stärker verzweigt.
Mache ein Loch in den mit nährstoffhaltiger Erde vorbereiteten Topf, setze die Jungpflanze ein und drücke sie an. Halte die Pflanzen unbedingt weiterhin feucht.

Zum Vereinzeln eignet sich ein praktischer Pikierstab


Grünohr-Tipp

Ein Keimling signalisiert durch eine satte grüne Farbe, dass er gut versorgt ist. Werden die Blätter mit der Zeit blasser, ist die Pflanze hungrig. Dann ist es Zeit, die Pflanze in nährstoffreichere Erde umtopfen oder düngen. 

 

Umzug ins Freie

Hat sich nach einiger Zeit ein guter Wurzelballen und oberirdisch eine kräftige Pflanze entwickelt, darf Dein Gemüse umziehen. Pflanze Deine Pflänzchen in den Gemüsegarten, wenn draußen schon angenehme, warme Temperaturen herrschen, und man nicht mehr mit Bodenfrost rechnen muss. Meist ist Anfang / Mitte Mai der richtige Zeitpunkt. Tipps zum Aussäen und Pflanzen haben wir natürlich auch für Dich!

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