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Ernte & Verarbeitung

Saatgut selbst gewinnen

Schaut man sich während der fortgeschrittenen Saison im Garten um, mag es sein, dass man ab und zu den richtigen Erntezeitpunkt verpasst hat. Doch auch mit geschossenem oder zu großem Gemüse wie z.B. Zucchini lässt sich noch etwas anfangen. Denn auch die Pflanzen selbst sorgen für ihre Fortpflanzung. Bei fast allen Gemüsearten geschieht dies über die Samen, man spricht hier von generativer Vermehrung.



Lediglich bei Schnittlauch und Rhabarber lässt sich eine vegetative Vermehrung durchführen, indem man die Wurzeln teilt.

Man unterscheidet Pflanzen, die im ersten Jahr blühen (hier erhälst Du das Saatgut direkt im ersten Jahr) und Pflanzen, die im zweiten Jahr blühen. Die Blüte erlebt man üblicherweise nicht, da sie schon im ersten Jahr geerntet werden.

Einjährige Pflanzen Zweijährige Pflanzen
z.B. Bohnen z.B. Möhren
Erbsen Mangold
Zucchini Rote Bete
Rucola Zwiebeln
Spinat

Geeignetes Gemüse
Zur eigenen Saatgutgewinnung eignet sich samenfestes Gemüse. Aber was genau ist damit gemeint? Hierzu hilft zunächst eine Klärung, was nicht samenfest bedeutet.

Nicht samenfest: Saatgutbetriebe züchten und sortieren das Saatgut so, dass die spätere Ernte gleichförmig wird, also alle Pflanzen etwa gleich aussehen und gleichzeitig reif sind. Dies geschieht nach der von Mendel beschriebenen Vererbungslehre, die stark vereinfacht besagt, dass „Kinder“ ähnlich aussehender „Eltern“ die gleichen Eigenschaften besitzen. Diese sortierten, reinerbigen Samen sind F1-Hybriden. Das „F“ steht dabei für die lateinische Bezeichnung „filius“ (Sohn) oder „filia“ (Tochter). Konkret bedeutet das, dass das F1-Saatgut beispielsweise für gelbe, runde Kürbisse genau dieses hervorbringt: Du erntest gelbe, runde Kürbisse.

F1-Hybriden sind jedoch nicht samenfest. Das bedeutet, dass Du zwar Saatgut dieser Pflanzen entnehmen kannst, jedoch ist dieses schon ein F2-Hybride (quasi der Enkel), der viele Launen der Natur und alle genetisch verfügbaren Merkmale hervorbringen kann. In diesem Fall erntest Du im kommenden Jahr also nicht nur gelbe, runde Kürbisse, sondern auch längliche grüne oder einige, die vielleicht kleiner und härter sind.

Bei samenfestem Saatgut kann man hingegen erwarten, dass die Ernte ungefähr so ausfällt und aussieht wie die Pflanzen des Vorjahres, von denen Du die Samen gewonnen hast. Die Ernte ist in der Regel bei samenfestem Saatgut jedoch geringer.

Samen ernten
Du erntest entweder den Samen aus der Frucht, wie bei Erbse, Zucchini, Gurke, die Du länger reifen lässt, als wenn Du sie essen wolltest. Oder der Samen kann aus der Blüte genommen werden, z.B. bei Mangold, Rucola, Zwiebel. Lasse die Samen gut ausreifen, ernte diese aber noch, bevor sie von selbst herunterfallen.

  1. Nimm die Samen aus der reifen Frucht oder Blüte.
  2. Wasche die Samen ab und trockne sie, damit sie nicht keimen.
  3. Prüfe, dass keine Blatt- oder Stängelreste auf den Samen sind, damit keine Krankheiten auf sie übertragen werden können. Versuche hierzu, vorsichtig über das Saatgut zu pusten.
  4. Die optimale Lagertemperatur liegt an einem trockenen, möglichst dunklen Ort zwischen 0 und 10 °C, Temperaturschwankungen sollten vermieden werden.
  5. Weil die Keimfähigkeit von Gemüse zu Gemüse schwankt, solltest Du Deine Samen spätestens in den nächsten 2-3 Jahren verwenden.

Saatgutscheiben selber machen


Saatgut, das sich im „glitschigen“ Inneren Ihres Gemüses verbirgt, wie etwa bei Tomaten, kannst Du gewinnen, indem Du das Saatgut mit dem Fruchtfleischanteil in ein Teesieb gibst und ordentlich abspülst.

Fast noch einfacher lässt es sich auf ein Stück Küchenpapier reiben, verteilen und dort trocknen. Es haftet fest an dem Krepp, welches im kommenden Jahr als Saatgutscheibe in die Blumentöpfe gelegt werden kann. Etwas Erde drüber, angießen und abwarten.

 

Saatgut von Kürbissen, Zucchini und Gurke

In den letzten Jahren gab es Beiträge zum Thema Cucurbitacine in Kürbissen, Zucchini und Gurken. Dieses Pflanzengift ist bei unseren Kultursorten „stillgelegt“, das heißt der erforderliche genetische Teil ist im Erbgut inaktiv, jedoch latent immer vorhanden.
Durch spontane Mutationen kann es passieren, dass diese Teile der DNA wieder aktiv werden, und die Pflanze das Gift produziert. Die Früchte schmecken dann sehr, sehr bitter.

Die einschlägigen Medien rieten also von der Saatgutgewinnung aus diesen Früchten ab.
Wir sind grundsätzlich nicht der Ansicht, dass man kein Saatgut aus Kürbissen, Gurken und Zucchini gewinnen kann – gerade die besonders groß gewordenen Früchte eigenen sich prima zur Saatgutgewinnung, wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass dies mit dem Risiko verbunden ist im kommenden Jahr giftige Pflanzen zu erhalten. Diese schmecken allerdings bitter. 
Wiewohl das Phänomen sehr selten vorkommt, kannst Du nur sicher sein, wenn Du frisches, zertifiziertes Saatgut verwendest.

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