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besser leben

Pilze zu Hause züchten

So kannst Du über das ganze Jahr eigene Pilze ernten 

Pilze sind stolze Nährstofflieferanten und versorgen Dich mit Ballaststoffen und sind kalorienarm.  Wie praktisch, dass die Anzucht im eigenen Haus kinderleicht ist. Wir haben 3 Pilzanzuchtsets für zu Hause getestet und unter die Lupe genommen.

Pilze sind kein Gemüse

Pilze gehören weder zu den Pflanzen noch zu den Tieren. Sie bilden in der Biologie ein eigenes Reich und sind in großer Vielfalt vertreten. Der Teil des Pilzes, den wir essen, ist der oberirdische Fruchtkörper eines weit verflochtenen unterirdischen Systems, dem Myzel. Vergleichbar ist dies mit einem Apfelbaum an dem Früchte hängen. Der Pilz entspricht eigentlich dem ganzen Baum und die essbaren Knollen (die wir umgangssprachlich Pilze nennen) sind die Äpfel.

 

Pilze sind kalorienarme Nährstofflieferanten

Pilze sind durch ihren hohen Wasseranteil sehr kalorienarm. Außerdem liefern sie wertvolle Ballaststoffe und können nennenswert zur Folatzufuhr beitragen.
Solltest Du Pilze im Wald selbst sammeln oder Wildpilze kaufen, dann beachte die mögliche Schwermetallanreicherung in einigen Sorten.
Bei der Zucht auf eigenen Substraten im Haus oder Garten ist die Anreicherung von Schwermetallen ausgeschlossen.

Pilze zu Hause züchten

Für die Pilzzucht zu Hause gibt es verschiedene Möglichkeiten. Im Fachhandel kannst Du Dir das Pilzmyzel, mit dem die Pilzzucht gestartet wird, kaufen. Aus diesem Myzel kannst Du dem Fruchtkörper, dem essbaren Teil des Pilzes, beim Wachsen zuschauen. Das Pilzmyzel wächst gut auf relativ nährstoffarmem, aber stickstoffhaltigem Untergrund wie Baumstämmen, Stroh, Sägemehl oder Kaffeesatz.
Möchtest Du die Pilzzucht das erste Mal ausprobieren, dann bieten sich Pilz-Fertigkultur-Sets an. Diese enthalten die Starterkultur, also das Pilzmyzel und ein geeignetes Substrat, auf dem der Pilz wachsen kann. Zusätzliche Materialien benötigst Du nicht.

 

Diese Pilz-Fertigkultur-Sets haben wir getestet:


WERBUNG OHNE AUFTRAG

Set Kitchen Garden Anbau-Kit von Espresso Mushroom Company Pilz-Fertigkultur von Hawlik Pilzbrut GmbH Pilz-Fertigkultur Classic von Hawlik Pilzbrut GmbH
Preis 19,90 € (kostenloser Versand) 19,50 € (zzgl. Versand) 19,50 € (zzgl. Versand)
Zubehör Silikon, Glas, Holz Plastik, Silikon Keramik, Ton
Voraussichtliche Ernte Erntereif nach 14 Tagen, Ernte bislang 90 g, weitere Ernte zu erwarten Erntereif nach ca. 30 Tagen, Ernte bislang 1010 g, weitere Ernte zu erwarten Erntereif nach ca. 30 Tagen, Ernte bislang 520 g, weitere Ernte zu erwarten
Unsere Empfehlung für Dich Schnelles Wachstum, kleiner Ertrag Sehr guter Ertrag Mittlerer Ertrag

Pilzzucht –Tagebuch von Markus

Wir haben 3 verschiedene Pilzsets bestellt: Von Hawlik Pilzbrut GmbH die Pilzbrut für weiße Champignons und Steinchampignons, sowie von der Espresso Mushroom Company den Austernpilz. Hier kommt der Erfahrungsbericht von Markus, unserem Gartenexperte vom meine ernte Team.

Lieferung der Pilz-Fertigkulturen 

Nach der jeweils schnellen Lieferung ging es ans Auspacken: Die Pilze von Hawlik werden im Karton gezüchtet, darin befindet sich neben einer Anleitung das mit dem Myzel geimpfte Substrat, eine Tüte mit Deckerde und eine Abdeckhaube. Im Karton der Espresso Mushroom Company, der ebenfalls weiterverwendet wird, ist lediglich das Substrat, das (wie der Firmenname schon andeutet) aus Kaffeeresten besteht („upcycled coffee grounds“, also aufgewerteter Kaffeesatz), ein kleines Rezeptblatt, und eine Sprühdüse, die sich mit einem Glas Wasser nutzen lässt. Die Beschreibung ist direkt auf den Karton gedruckt.

WICHTIG: Für alle Selbstanbausets für Pilze gilt, dass man sie nicht zu lange stehen lassen sollte, bis man sie ansetzt. Setz Deine Sets also am besten innerhalb einer Woche nach Erhalt an, da sie ansonsten schnell nicht mehr funktionieren.

Tag 1: Vorbereitungen für die eigene Pilzzucht

Für die „Installation“ der Pilzzucht wird bei Hawlik lediglich eine Schere benötigt: Das Substrat kommt in den Karton, wo es nach dem Öffnen angenehm nach Pilzen oder Waldboden riecht. Anschließend kommt die Deckerde locker auf das Substrat und aus den abgeschnittenen Deckeln des Kartons wird noch eine grobe Stütze für die noch fehlende Abdeckhaube gesteckt, so dass sich die Feuchtigkeit nicht so schnell verflüchtigen kann.

Das alles geht schnell und unkompliziert, die Erde macht einen ausreichend feuchten Eindruck, so dass das Besprühen, das bei oberflächlicher Austrocknung empfohlen wird, vielleicht gar nicht nötig wird. Allerdings fällt recht viel Plastikmüll an: Die oben abgeschnittenen Reste der Tüte für das Substrat, sowie die Tüten für Deckerde und Abdeckhaube müssen in den Müll. Zumindest die Verpackung für die Abdeckhaube hätte sich der Hersteller sparen können. 

Die „Kaffeepilze“ werden mit dem Claim „simply add water“ beworben – so einfach ist es dann aber doch nicht. Die Beschreibung auf Englisch und mit Piktogrammen rät, nach dem Einritzen des Substratblocks an der markierten Stelle, diesen für 12 Stunden in kaltes Wasser zu tun, wonach die Vorbereitung schon beendet ist. 

Doch hier steckt der Teufel im Detail: Zum einen wird nie klar, ob die äußere Plastikhülle, in der sich das sauer riechende Substrat befindet, eigentlich entfernt werden soll bzw. kann (unser Tipp im Nachhinein lautet: wohl schon…), zum anderen ist das Wässern des Substrats schwieriger als erwartet. Dieses schwimmt nämlich und geht nur unter, wenn man es dazu zwingt. Doch wie stellt man dies für 12 Stunden an? Am Einfachsten ist es, ein schwereres Gewicht darauf zu legen und es zu fixieren, ist dieses zu leicht, wird es vom Substrat locker an die Wasseroberfläche gedrückt.

Meine Lösung: ein Wassereimer mit Deckel und ein Stapel Bücher als Gewicht. 

Nach erfolgreichem Wässern wird das Substrat zurück in den Karton gesteckt, dem man ein vorgestanztes Teil entnommen hat.

Tag 2-7: Inkubationsphase der Pilzzucht

Beide Modelle sollen nun kühl gestellt werden, was bei den Austernpilzen nicht näher, bei Hawlik auf 12-18 Grad beziffert wird. Stehen die Pilze zu warm, wachsen sie zwar schneller, aber qualitativ schlechter, bei einem kühleren Standort dauert es länger, bis etwas passiert. Wie hell der Standort ist, ist egal. Während man die Champignons ab und zu kurz lüftet, besprüht man die Austernpilze zweimal täglich an der markierten Stelle mit kaltem Wasser. Unterm Strich brauchen die Pilze vorerst also in der Tat fast keine Aufmerksamkeit.

Die erste Ernte wird bei Hawlik nach 3-4 Wochen angekündigt, im Kaffeesubstrat soll es nach 2 Wochen soweit sein.  Ich bin gespannt! 

Tag 8: Die Austernpilze legen los

Tatsächlich zeigen sich pünktlich genau eine Woche später die ersten kleinen Pilze im Kaffeesubstrat. Allerdings nicht an der geplanten Stelle, sondern ganz unten im Set. Das hat sicher damit zu tun, dass ich die äußere Plastiktüte in dem Test nicht gut genug geleert haben und sich unten noch etwas Wasser gestaut hat – ein Bedienungsfehler von mir also!

Aus dem ersten Ansatz hat sich ein riesiger Pilz gebildet, den ich weitere 5 Tage später ernte, da er die Pilze, die inzwischen an der vorgesehenen Stelle erscheinen, stark bedrängt. Er bringt stolze 40 g auf die Waage.

Und nochmal 5 Tage später ernte ich die Pilze, die inzwischen gewachsen sind. Auch hier hat sich ein sehr großer und mehrere kleine gebildet. Wie beschrieben ernte ich alles ab und erhalte weitere 50g – insgesamt habe ich im ersten Durchgang also 90 g geerntet. Das haut mich nicht um, allerdings kann es gut sein, dass ich mehr geerntet hätte, hätte ich den beschriebenen Fehler nicht gemacht. Lecker sind die Pilze aber allemal.

So oder so geht das Substrat nun in eine Ruhephase von 10 Tagen, bevor die 2. Runde gestartet werden kann. Vor dieser werde ich aber die äußere Plastiktüte abnehmen.

Tag 19: Unterdessen bei der Pilzbrut von Hawlik 

In den anderen beiden Boxen hat sich auf den ersten Blick noch nichts getan. Bei genauem Hinsehen entdecke ich aber, dass das Myzel nun in der Erde erkennbar wird. Bislang ist es vom geimpften Substrat durch die Deckerde gewachsen. Dies hat 2 ½ Wochen gedauert. Praktischerweise wird es hier nun also spannend, während die Austernpilze Pause machen. 

Tag 26: Die ersten Champignons

Innerhalb der, in der Beschreibung angekündigten, 3-4 Wochen nach der Ansetzung sind nun die ersten Champignons zu sehen: Während die weißen erste kleine Hüte durch die Erde drücken, sind nun schon einige Steinchampignons deutlich zu sehen.

Es scheint zwar noch nicht unbedingt nötig, weil durch die Schutzhauben die Feuchtigkeit gut gehalten wird, aber damit das Substrat nicht austrocknet, besprühe ich es sicherheitshalber vorsichtig mit Wasser – den Sprühaufsatz habe ich ja von den Austernpilzen.

Tag 28: 2. Runde Austernpilze angesetzt 

Wie empfohlen wässere ich 10 Tage nach der letzten Ernte das Substrat der Austernpilze neu und schicke sie so in die 2. Ernterunde. Diesmal habe ich die äußere Plastikhülle weggenommen. Das scheint in der Tat so gedacht zu sein. 

 

Tag 29: Schnelles Wachstum der Champignons

Sind die Pilze erstmal erkennbar, ist das Wachstum rasant. So habe ich weitere 3 Tage später die ersten beiden kapitalen Steinchampignons geerntet, die stolze 310 g auf die Waage bringen. Hierzu drehe ich sie vorsichtig aus dem Substrat. Zwei Tage später waren auch die restlichen erntereif, so dass ich hier insgesamt 570 g ernten konnte. 

Auch bei den weißen Champignons sind nun einige Pilze zu sehen, was eine weitere gute Ernte in den nächsten Tagen verspricht.

Kurz darauf sind auch die weißen Champignons so weit. Hier können wir 520 g ernten. Bei beiden Kulturen wird nun empfohlen, in etwa die Menge Wasser nach und nach auf das Substrat zu sprühen, die wir an Pilzen geerntet haben – also etwa einen halben Liter pro Kultur. Nach 7 – 10 Tagen soll die zweite Welle sichtbar sein.

Tag 44: Die zweite Erntewelle der eigenen Pilzzucht 

Gut 6 Wochen nach dem Ansetzen ist bei den Steinchampignons die 2. Ernte bereit. Diesmal sind die Pilze noch besser über die Box verteilt gewachsen und ich ernte weitere 440 g. Bei den weißen Champignons, die schon bei der ersten Ernte etwa 2 Tage später waren, ist bald auch wieder mit einer guten Ernte zu rechnen.

 

Auch bei den Austernpilzen tut sich nun doch noch etwas. Die hatte ich schon aufgegeben, aber über 2 Wochen nach dem erneuten Wässern des Substrats zeigen sich doch wieder kleine Pilzköpfchen.

Es sind also in allen 3 Boxen noch Ernten zu erwarten. Laut Bedienungsanleitung kann es 3-4 erfolgreiche Ernten geben. Ich halte euch auf dem Laufenden wie meine Ernte aus der hauseigenen Pilzzucht ausfällt!

Nach der Ernte: Substrate in Kompost 

Sind alle Pilze abgeerntet, haben die Sets gemeinsam, dass man die Substrate weiter nutzen kann. Sie bilden eine prima Kompostbeigabe, so dass sie nach Gebrauch in den Gartenkreislauf überführt werden können.

meine ernte Fazit:

Die eigene Pilzzucht gerade im Winter, wenn es draußen nichts zu tun gibt, ist eine tolle Sache. Den Gegenwert der Kosten des Sets in Pilzen zu ernten solltest Du jedoch nicht erwarten. 

Für Ungeduldige ist das Set der Espresso Mushroom Company zu empfehlen, auch wenn es entgegen der Beschreibung etwas schwieriger zu handhaben und die Ernte kleiner ist.

Die tollsten Ergebnisse haben wir mit den Steinpilzen von Hawlik erzielt. Hier konnten wir schon zum jetzigen Zeitpunkt ein gutes Kilogramm ernten – und es ist bald noch mehr zu erwarten.

Wenn Du Dir also auch im Winter frische Lebensmittel ziehen möchtest, ist solch eine Pilzbrut eine interessante Möglichkeit, die nicht viel Pflege benötigt.

 

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