Zum Inhalt springen

besser leben

Waldbaden - Aufatmen für die Großstadtseele

In der Mittagspause lassen wir es uns bei meine ernte gerne gut gehen. Wir kochen etwas Leckeres zusammen, setzen uns bei gutem Wetter nach draußen. Nicht selten verschlägt es Wanda am Abend und vor allem am Wochenende mit ihrem Hund in den nahegelegenen Wald. Dort kann sie sich Zeit nehmen, Pause machen und neue Energie sammeln.

Vom Wald, mit seinen großgewachsenen, teils Jahrhunderte alten Bäumen geht eine Kraft und Ruhe aus, die das Gefühl von Geborgenheit in uns wecken. Gleichzeitig schafft es dieses komplexe Ökosystem, welches aus Büschen, Kräutern, Wildblumen und einer Vielzahl an Tieren besteht, uns fröhlich zu stimmen und unsere Lebensgeister zu wecken.

Die Japaner haben der regenerativen Wirkung des Waldes ein ganzes Studienfach gewidmet und erforschen schon seit einigen Jahrzehnten die gesundheitlichen Wirkungen, die ein Spaziergang im Wald mitbringen kann. Shinrin Yoku wird dieser Trend genannt, was im japanischen so viel heißt wie: das Bad in der Atmosphäre des Waldes. Es wurden ganze Wälder mit Waldpfaden errichtet, um in diesen Erholung, Stimulation und Konzentration zu erhalten.

Baden ohne See - wie funktioniert das?

Für ein klassisches Waldbad muss man sich nicht in den kalten See wagen oder in das Blättermeer abtauchen. Vielmehr taucht man in die kühle und feuchte Luft, in den würzigen Geruch von Tannen, in die Geräusche der Vögel und in das milde und beruhigende Grün des Blattwerkes ein. Mit jedem Sinn ist der Wald wahrnehmbar, man kann sich ihm hingeben und in intensiven Kontakt zu ihm und dem Leben in ihm treten. 

Ursprünglich wurden beim Shinrin Yoku Übungen im Wald durchgeführt, ähnlich dem Qigong. Man kann dem Wald aber auch durch Meditationsübungen, Fahrrad fahren oder einen ruhigen Spaziergang begegnen. Ohne viel Eile kann man achtsam durch den Wald schlendern, sich Zeit lassen und hinsehen, hinfühlen, hinhören was der Wald einem zu zeigen hat. Durch diese Achtsamkeit und Aufmerksamkeit können erstaunliche Effekte im eigenen Körper auftreten. 

Tipps um sich dem Wald zu öffnen 

  • Es gibt keine Regeln (aber sicher schadet es nicht, das Handy auszuschalten...)
  • Wahrnehmung und Aufmerksamkeit können für alle Eindrücke des Waldes geöffnet werden
  • Geh-Meditationen, also eine zusätzliche Konzentration auf den eigenen Atem, können helfen die Alltagssorgen für einen Moment zu vertreiben und sich gänzlich auf die Erfahrungen im Wald einzulassen

Gesundheitliche Wirkungen

Einige Studien haben die gesundheitlichen Wirkungen eines Aufenthaltes im Wald untersucht und konnten nachweisen, dass Blutdruck sowie Stresshormone im menschlichen Körper gesenkt werden und die Muskeln sich entspannen. Gesundheitswissenschaftler in Tokio haben gezeigt, dass ein Tag im Wald die Anzahl der menschlichen Abwehrzellen um 50 % steigern kann. Auch wenn Forschungsergebnisse unsere intuitive positive Wahrnehmung des Waldes bestätigen, bleibt die Frage: Wie entsteht diese Stimulierung?

Hierfür gibt es verschiedene Erklärungen. Aus der Naturheilkunde kommt die Theorie, dass der Körper sich unterbewusst daran erinnert, dass die Natur und der Wald unser ursprünglicher Lebensraum sind, die uns Schutz und Nahrung bieten. Eine psychologische Interpretation ist, dass der Duft des Waldes positive Erinnerungen an die Kindheit in uns weckt und diese positive Konditionierung sich auch in der Gesundheit wiederspiegelt. Auch die Farbgebung des Waldes mit seiner Vielfalt an Grüntönen kann für eine Beruhigung der Nerven und eine Stimulierung des Immunsystems verantwortlich sein. 

Was auch der Grund dafür sein mag, dass wir uns im Wald so geborgen fühlen. Der Kurzurlaub in den Wald hilft das Stresserleben zu reduzieren und Erholung zu finden. 

Schon gewusst? 

  • Pollenallergiker (wie unsere Kollegin Ina) müssen in der Blütezeit leider auf ausgedehnte Waldspaziergänge verzichten
  • Der würzige Waldgeruch entsteht durch Terpene, die Duftstoffe der vielen Nadelbäume, welche in Deutschland weit verbreitet sind

Wir finden...

Waldbaden ist für uns die offizielle Erlaubnis im Wald herumzutrödeln und die Zeit zu vergessen. Der Trend bewirkt für uns mindestens eine positive Sache - er schafft die Schönheit des Waldes wieder in unser Bewusstsein. Eine Kommerzialisierung ist aus unserer Meinung nicht nötig. Jeder kann sich mit dem Wald vertraut machen und diesen so, wie es für einen selbst stimmig ist, genießen. 

Wir haben das Privileg in Deutschland fast überall in unserer Nähe einen Wald zu haben - wie hier bei uns in Bonn, wo Kottenforst, Venusberg und Siebengebirge unsere Lust auf Grün entfachen. 

Buchtipps zum Thema

Um den Wald gemütlich vom Sofa aus kennen zu lernen empfehlen wir das Buch „Das geheime Leben der Bäume“ von Peter Wohlleben - Wanda hat es vor etwa einem halben Jahr gelesen und erzählt gerne immer wieder die gleichen Fakten daraus :-) Ein weiteres Buch ganz oben auf unserer Bücherliste ist "Der Biophilia-Effekt - Heilung aus dem Wald" von Clemens G. Arvay. Ein Zitat daraus: "Dreckige Hände machen Dich gesund." Dr. Qing Li, Oberwaldbademeister
Wir können dem nichts hinzufügen.