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Gemüse ABC

Rhabarber

Die großen Blätter des Rhabarbers segeln im Obstgarten gewissermaßen unter falscher Flagge, denn weil er mehrjährig ist und dessen Stiele und nicht die Früchte verzehrt werden, ist das herbe, süß-saure Gewächs botanisch gesehen eigentlich ein Gemüse. Seine Mehrjährigkeit ist ein Plus für dich, denn einmal gepflanzt, kommt der winterharte Rhabarber viele Jahre lang immer wieder. Wir essen die grünen bis rötlichen Stiele klassisch im Kompott, in Konfitüre, auf dem Kuchen oder trinken den erfrischenden aromatischen Saft. In vergangenen Zeiten, als die Obstabteilung der Supermärkte und Wochenmärkte noch nicht ganzjährig voll von Obstsorten aus Übersee gewesen ist, war Rhabarber aufgrund seiner frühen Erntezeit willkommen, um die Lücke zwischen dem Vorrat an Lageräpfeln und des ersten Beerenobstes zu füllen. Rhabarber ist robust, pflegeleicht, gesund und  ist es auch heute noch wert, ihn selbst anzubauen. Es geht kinderleicht!

Mir Rhabarber hast du wenig Arbeit, weil er mehrjährig ist

Standort & Boden

Kühl und feucht – Her mit den barbarischen Bedingungen

Rhabarber, die „Wurzel der Barbaren“, die über den Himalaya, die Mongolei und Russland im 17. Jahrhundert zu uns gekommen ist, wächst in ihrem natürlichen Habitat auf feuchten, humosen Auenböden. Diese Bedingungen sollten in deinem Garten auch erfüllt sein. Ansonsten ist der Rhabarber klimatisch anspruchslos und für unsere gemäßigten Breiten wie geschaffen.

Sonnige bis halbschattige Standorte sind genau richtig für die großblättrige Pflanze. Für dein Rhabarberbeet bedeutet dies, dass du den Boden gut umgraben und mit Nährstoffen anreichern musst. Kompost ist gut geeignet dafür. Er sorgt dafür, dass der Boden alle Nährstoffe für den Rhabarber bereithält. Feuchtigkeit hält der Boden noch besser, wenn du Laubhumus oder Terra Preta, die Düngererde der Indios, die du auch leicht selbst machen kannst, in den Boden einarbeitest. Unkräuter samt Wurzel solltest du beseitigen. Rhabarber ist überaus winterhart und verträgt auch lange Frostperioden.

Aussaat & Pflanzung

Platz da, der Rhabarber kommt!

Rhabarber wird selten ausgesät, sondern über seine Rhizome vermehrt. Aus einer bestehenden Kultur sticht man dazu mit einem scharfen Spaten ein Wurzelstück ab, das vier oder mehr Stielansätze enthält. Diesen Wurzelstock kannst du dann an einer beliebigen anderen Stelle einpflanzen. Ansonsten sind im Handel junge Rhabarberpflanzen erhältlich. Rhabarberstauden sind rasch wüchsig, rechne also ausreichend viel Platz ein. Pro neuer Pflanzung solltest du mit 1m² rechnen.

  • Saattiefe: Eine Vermehrung über Samen ist nicht üblich
  • Pflanzabstand: 1 m²
  • Auspflanzung ins Beet: Im Herbst oder im zeitigen Frühjahr
  • Direktsaat: nicht üblich
  • Keimdauer: Die Vermehrung über Samen ist nicht üblich
  • Kulturdauer/erntereif: Mehrjährig, Ernte von Mai bis Ende Juni
Rhabarber vermehrst du über Rhizome

Pflege & Düngung

Wohlgenährt und gut zugedeckt in den Winterschlaf

Rhabarber braucht relativ viele Nährstoffe, die er aus einer guten Bodenvorbereitung ziehen kann. Du kannst zusätzlich noch eine Gabe Dünger pro Saison kurz vor dem Austreiben der Pflanze geben. Während der Wachstumsperiode solltest du regelmäßig jäten. Blütenansätze sind zu entfernen, weil sie das Wachstum der Pflanze hemmen. Wenn du dies in Kauf nehmen möchtest, kannst du sie natürlich auch stehen und blühen lassen, denn sie werden von Insekten sehr geschätzt und die prachtvollen rosa-roten Blütenstände sind in sommerlichen Blumensträußen sehr hübsch.

Die Rhabarberpflanze zieht sich im Winter in den Boden zurück. Bedecke sie danach mit Laubmulch und lasse sie ruhen. Im Frühjahr entfernst du die Mulchschicht und legst die Pflanzenansätze wieder frei. Win-win: Du kannst gut die nicht essbaren Blätter der Pflanze zum Mulchen verwenden.

Die Rhabarberblüten sind schön
in Sommersträußen

Wandas Tipp:

Du kannst das Wachstum deines Rhabarbers mit einem Trick beschleunigen: Stülpe dazu im zeitigen Frühjahr einen Eimer über die Stielansätze der Pflanze. Die Dunkelheit fördert das Treiben des Rhabarbers und er wird gleichzeitig süßer und aromatischer. Bei dieser Methode zieht die Pflanze allerdings viele Nährstoffe aus dem Boden, weshalb du sie nur alle zwei Jahre anwenden und in dem betreffenden Jahr gut düngen solltest.

Wanda, meine ernte Gründerin und Gemüsegärtnerin

Ernte

Den Dreh raus – Rhabarber nie schneiden

Die Erntezeit für Rhabarber beginnt Anfang Mai und endet mit dem Johannistag Ende Juni. Im ersten Jahr nach der Pflanzung solltest du deinen Rhabarber noch schonen, damit die Wurzeln kräftiger werden und er im nächsten Jahr stärkere und saftigere Stiele ausbilden.

Drehe die Stangen mit einem kräftigen Ruck aus der Erde und verwende kein Messer. An der Schnittstelle könnten sonst Erreger wie das gefürchtete Rhabarbermosaikvirus eintreten und deine Kultur schädigen oder sogar vernichten. Ernte nie mehr als die Hälfte der Pflanze ab, damit sie nicht abstirbt. Ab Juli sollte nicht mehr geerntet werden.

Die großen Blätter des Rhabarbers sind dekorativ, aber nicht essbar. Sie enthalten zu große Mengen Oxalsäure, die dir schaden können. Schneide die Blätter mit einem scharfen Messer von den Stielen ab und verwende sie als Mulch über deinen Gemüsebeeten.

Gib deinem Rhabarber im ersten Jahr etwas Zeit

Aufbewahrung

Mit feuchten Wickeln länger frisch

Es ist nicht überraschend zu hören, dass Rhabarber frisch genossen am gesündesten und leckersten ist.  Er lässt sich auch im Kühlschrank nur wenige Tage lagern, ohne lasch oder trocken zu werden und er fault relativ leicht. Darum sind die Stängel am besten an der Pflanze aufgehoben und lassen sich nach Bedarf ernten. Wenn du deinen Rhabarber einmal nicht sofort essen oder verarbeiten kannst, kannst du ihn in feuchte Tücher einschlagen und ins Gemüsefach legen. Dort hält er sich mehrere Tage frisch.

Rhabarber einfrieren

Geputzter und nach Bedarf geschälter Rhabarber lässt sich wunderbar tieffrieren. Schneide die Stiele in Stücke und blanchiere sie in kochendem Wasser drei Minuten, gieße sie ab und lasse sie auskühlen. Danach gibst du sie in kleine Beutel oder Behälter ins Tiefkühlfach. Wenn du verhindern willst, dass die Stücke dabei aneinander frieren, kannst du sie auf einem Brett ausgelegt im Drei-Sterne-Fach vorgefrieren.

Rhabarber lässt sich super einfrieren

Krankheiten & Schädlinge

Robust und kein Rost dank Kompost

Es gibt eine Reihe von Viren, die in deiner Rhabarberpflanzung großen Schaden anrichten können. Einen Befall erkennst du an weißen oder bunten Flecken auf den Blättern. Im Fall eines Befalls solltest du die gesamte Rhabarberpflanzung ausgraben und die Pflanzen über den Restmüll entsorgen. Gib sie keinesfalls auf deinen Kompost, weil du darüber deine weiteren anderen Pflanzungen infizieren könntest!

Mehltau und andere Pilze können deinen Rhabarber ebenfalls schädigen. Blattläuse begünstigen den Befall von allen drei Krankheiten. Suche darum zu Beginn der Wachstumsperiode deinen Rhabarber gründlich ab, bekämpfe Blattläuse und entsorge Mehltau befallene Blätter im Restmüll. Sei aber unverzagt, denn an sich ist Rhabarber robust und pflegeleicht. Setze die Pflanzen nicht zu dicht und sprühe regelmäßig mit stärkender Brennnesseljauche oder Ackerschachtelhalmbrühe.

Nährstoffe, Verarbeitung & Rezepte

Drei Säuren der Rhabarberigkeit - wie du den Oxalsäuregehalt regulierst

Rhabarber schmeckt erfrischend und säuerlich-pikant. Verantwortlich für den typischen Geschmack sind die enthaltene Äpfelsäure und die Zitronensäure. Eine weitere Säure, die Oxalsäure sorgt für das stumpfe Gefühl an den Zähnen nach dem Rhabarbergenuss. Oxalsäure hat außerdem die Eigenschaft, mit Kalzium, Eisen und Magnesium komplexe chemische Verbindungen einzugehen, die dadurch dann nicht mehr vom Darm aufgenommen werden können. Es ist deshalb empfehlenswert, den Rhabarbergenuss ein wenig in Maßen zu halten. Wegen der verhältnismäßig kurzen Rhabarbersaison sollte dies aber gut möglich sein. Ein bis zwei Stangen möglichst reifer Rhabarber pro Tag sind verträglich und durch den hohen Gehalt an Vitamin B1 und B2, sowie Vitamin C sogar äußerst gesund. Größere Portionen Rhabarber wirken leicht abführend. Du solltest Rhabarber nicht roh essen, sondern immer in 2 cm dicke Stücke geschnitten einige Minuten blanchieren, wodurch sich der Oxalsäuregehalt ebenfalls stark mindert.

Farbenfroher Genuss am Stiel

Der aromatische säuerliche Geschmack des Rhabarbers ist der Vorbote des Sommers schlechthin. Er kombiniert sich wunderbar mit anderen Frühsommerobstsorten, wie Erdbeeren und Stachelbeeren. Süße Rhabarberspeisen kannst du traumhaft mit Kräutern aus deinem Garten verfeinern. Probiere einmal ein Kompott, abgeschmeckt mit Minze, Melisse oder Waldmeister. Auch die exotischen warm-würzigen Klassiker Zimt, Nelken und Vanille harmonieren hervorragend mit den rustikalen Aromen des Rhabarbers. Ingwer verleiht Rhabarbergerichten scharfe Frische.

Herzhafte Zubereitung

Rhabarber muss nicht immer süß zubereitet werden. Ein Salat aus Rucola, Spargel und gebratenem Räuchertofu gewinnt mit einigen Stücken blanchierten Rhabarbers an herber Fruchtigkeit, Ziegenkäse zerfließt köstlich unter warmem Rhabarberkompott und ein Chutney aus Chilli, Ingwer und Rhabarber ist auf dem Grillbuffet ein Star – und das nicht nur zu Fleisch, sondern auch zu gegrillten Gemüsen.

Wandas Lieblingsrezept: Rhabarbercrumble

Mit Kindern blitzschnell und schleckend gern zubereitet ist der sommerliche Crumble aus Rhabarber, getoppt mit einer knusprigen Haube aus süßen Streuseln. Hierzu werden 600g Rhabarber kleingeschnitten und blanchiert, mit 2 El Zucker bestreut und in eine Auflaufform oder feuerfeste Förmchen gegeben. Kinderhände die gern matschen, vermengen nun 200g Mehl, 100g Zucker, ein Tütchen Vanillezucker und 125g Butter zu einem krümeligen Teig und bestreuen das farbenfrohe Obstgemüse damit. Bei 175 Grad Umluft backt der Crumble in 35 Minuten saftig und knusprig. Mit Vanilleeis oder Vanillesoße wird die Schleckerei noch abgerundet.

Schmeckt besonders gut nach getaner Gartenarbeit!

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